Ein Leben, das Geschichte schrieb
Gramma wurde im späten 19. Jahrhundert auf den Galápagos‑Inseln geboren, einer der wenigen Gegenden, in denen diese beeindruckenden Schildkröten vorkommen. In den späten 1920er oder frühen 1930er Jahren kam sie über den Bronx Zoo (in New York) in die USA und verbrachte fast ein Jahrhundert im San Diego Zoo.
In ihrer Lebensspanne erlebte sie zwei Weltkriege, die Große Depression und die Mondlandung, Ereignisse, die mehrere Generationen prägten. Die Schildkröte überlebte mehr als 20 US‑Präsidenten, was die außergewöhnliche Langlebigkeit dieser Art deutlich macht.
Cristina Park erinnert sich an einen Besuch bei Gramma im zarten Alter von drei oder vier Jahren. Heute ist sie 69 Jahre alt und führt ihre anhaltende Faszination für Schildkröten auf Gramma zurück; daraus entstand schließlich die Adoption einer kleinen Wüstenschildkröte.
Sanfte Art und einfacher Alltag
Von den Mitarbeitenden liebevoll „Königin des Zoos“ genannt, war Gramma für ihre schüchterne, sanfte Art bekannt. Ihr Alltag bestand aus langen Nickerchen und ruhigen Begegnungen mit Zoobesuchern, die oft über die Geländer beugten, um sie anzuschauen. Zu ihren Lieblingssnacks gehörten Römersalat und Kaktusfrucht, die sie langsam in der kalifornischen Sonne kaute.
Doch auch Gramma blieb vom Alter nicht verschont. Wegen der fortschreitenden gesundheitlichen Probleme entschieden die Zooleitungen schließlich, sie auf humane Weise zu erlösen, um weiteres Leiden zu verhindern.
Gefahren und Schutzbemühungen
Die Galápagos‑Riesenschildkröten stehen heute auf der Roten Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature), mit 15 anerkannten Arten oder Unterarten, von denen drei als ausgestorben gelten. Die Bedrohungen sind vielfältig: frühere Jagd, Verlust von Lebensräumen und eingeschleppte Arten wie Ratten und Schweine.
Trotzdem gibt es Hoffnung: Das Programm „Giant Tortoise Restoration in the Galápagos Islands“, geleitet von der Galápagos Conservancy und dem Galápagos National Park, hat seit Mitte der 1960er Jahre mehr als 10.000 Jungtiere ausgewildert. Diese Maßnahmen sind vergleichbar mit Schutzprojekten im sogenannten „Unterwasser‑Amazonas“, dem Coral Triangle.
Ausblick: globale Herausforderungen
Die Erhaltung der Galápagos‑Riesenschildkröte bleibt schwierig. Globale Gefahren wie Klimaänderungen und die menschliche Expansion bedrohen die Lebensräume dieser beeindruckenden Tiere. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen, dass ohne strikte Schutzmaßnahmen und ein anhaltendes Engagement das Überleben dieser „natürlichen Zeitmesser“ gefährdet ist.
Gramma bleibt als Symbol für die Schönheit und Zerbrechlichkeit unserer Natur in Erinnerung. Ihr Leben zeigt, wie wichtig der Schutz dieser einzigartigen Lebewesen ist; ihre Existenz wird durch menschliches Handeln gleichermaßen gefährdet und unterstützt. Während sich die Welt weiter verändert, soll Grammas Geschichte kommende Generationen dazu anregen, Pflege und Erhalt unserer Biodiversität ernst zu nehmen.