Was ist neu bei den Leitlinien?
Die neue Fassung, als ACC/AHA 2026 bezeichnet, ersetzt die Empfehlungen von 2018 und ist kürzlich in den Fachzeitschriften JACC und Circulation erschienen. Eine zentrale Änderung ist die Absenkung der LDL‑Cholesterin‑Schwellenwerte, die jetzt noch stärker am individuellen Risiko der Patientinnen und Patienten orientiert sind. Für Personen mit Grenz- oder Zwischenrisiko liegt der Zielwert jetzt bei unter 2,59 mmol/L, bei hohem Risiko bei 1,81 mmol/L und bei Patienten, die bereits ein kardiovaskuläres Ereignis hatten, bei 1,42 mmol/L.
Die Leitlinien raten außerdem dazu, medikamentöse Behandlungen früher zu beginnen, wenn Lebensstiländerungen allein die Zielwerte nicht erreichen. Damit setzt sich der Trend zu einer proaktiveren und patientenindividuellen Prävention fort, die den gesamten Gesundheitszustand mit einbezieht.
Präzisere Risikoabschätzung und individuellere Therapie
Neu eingeführt wurde der Risikokalkulator PREVENT-ASCVD, der das 10‑Jahres‑Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse schätzt. Das Tool teilt das Risiko in vier Kategorien ein: niedrig, grenzwertig, intermediär und hoch. Roger Blumenthal, einer der Herausgeber der Leitlinien, hebt hervor, dass durch die Nutzung bereits vorhandener Gesundheitsdaten (zum Beispiel regelmäßige Checkups) die Risikobewertung und die individuelle Prävention noch feiner abgestimmt werden können. So soll sichergestellt werden, dass nur diejenigen Patientinnen und Patienten medikamentös behandelt werden, bei denen es aufgrund des Gesamtrisikoprofils wirklich nötig ist.
Lebensstil und Medikamente: beides wichtig
Die Leitlinien betonen, dass ein gesunder Lebensstil die Grundlage der Behandlung von Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen bleibt. Regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung, Gewichtskontrolle, Nichtrauchen und ausreichend Schlaf sind wichtige Bausteine, um das Risiko zu senken. Kardiologe Juan Pablo Costabel erklärt, dass Lebensstiländerungen immer eine Rolle spielen müssen, egal ob Medikamente eingesetzt werden oder nicht.
Statine bleiben die Standardtherapie zur Senkung des LDL und zur Verringerung schwerer kardiovaskulärer Ereignisse. Sie sind intensiv untersucht und liefern umfangreiche Sicherheitsdaten mit einer niedrigen Rate ernsthafter Nebenwirkungen.
Wo es hakt und wie es weitergeht
Trotz der strengeren Leitlinien bleiben Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen weltweit die häufigste Todesursache. Ein Grund dafür ist, dass Gesundheitsziele oft nicht erreicht werden. Eine große Herausforderung ist die Bekämpfung von Fehlinformationen und die Sicherstellung, dass medizinische Entscheidungen evidenzbasiert und individuell getroffen werden. Juan Pablo Costabel betont, dass die Leitlinien auf solider wissenschaftlicher Grundlage beruhen und nicht von pharmakologischen Interessen gesteuert werden.
Die aktualisierten ACC/AHA‑Leitlinien sind ein wichtiger Schritt in der kardiovaskulären Versorgung. Sie liefern einen optimierten Rahmen für die individuelle Behandlung und Prävention von Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen. Indem sie Lebensstilmaßnahmen und medizinische Interventionen zusammenbringen, bieten sie eine umfassende Strategie zur Risikominderung und zur Verbesserung der individuellen Gesundheitsprognosen.