Die unbewohnte Vulkaninsel wird dauerhaft von einer kleinen Marinebesatzung überwacht. Deren wichtigste Aufgabe ist es, die Umgebung und vor allem die Brutgebiete der Grünen Schildkröte (Chelonia mydas) zu schützen. Die Insel zählt zu den bedeutendsten Nistplätzen dieser bedrohten Art. Die Forschung richtet sich nun auf die künstlich entstandenen Formationen, die erstmals im Jahr 2019 entdeckt und in der Fachzeitschrift Marine Pollution Bulletin beschrieben wurden.
Was steckt hinter den anthropogenen Gesteinen
Die Forscherinnen und Forscher sprechen von “anthropogenen Gesteinen”, die dem Phänomen der Plastiglomerate zuzuordnen sind. Kunststoff, der mit Sand, Gesteinsfragmenten und organischen Resten verschmolzen ist, bildet feste Gebilde, die an natürliches Gestein erinnern. Anders als loses Strandgut wirkt dieser geschmolzene Kunststoff wie „Zement“, der die Bestandteile dauerhaft verbindet und so in sedimentäre Prozesse eingebaut wird. Als Hauptpolymer wurde HDPE (Polyethylen hoher Dichte) identifiziert, das überwiegend aus verlorenen oder aufgegebenen Fischereigeräten wie Netzen und Seilen stammt. Kupferhaltige Farbstoffe geben einigen Fragmenten eine auffällige grünliche Färbung. Diese Überreste weisen eindeutig auf menschliche Aktivitäten hin, vor allem auf den Fischereisektor.
Warum Schildkröten-Nester eine Rolle spielen
Interessanterweise tragen die Nester der Grünen Schildkröten erheblich zur Ansammlung dieser Hybridmaterialien bei. Die Gruben können bis zu 10 cm tief sein und schützen die Mischung aus Plastik und Sediment vor Erosion durch Wellen und Wind. Dadurch wird die langfristige Erhaltung dieser Plastik-Sediment-Verbindungen gefördert. Schätzungen gehen davon aus, dass solche Materialien, einmal in geologische Schichten eingebettet, über Millionen von Jahren erhalten bleiben könnten. Wiederholte Nistzyklen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Kunststoffe als geologische Marker überdauern. Solche Phänomene könnten Hinweise auf das Anthropozän liefern (eine vorgeschlagene geologische Epoche, die vom prägenden Einfluss des Menschen auf den Planeten gekennzeichnet ist).
Erosion und Folgen
Trotz des temporären Schutzes durch die Nester hat die Erosion nach fünf Jahren dazu geführt, dass etwa 40 % des ursprünglichen Volumens dieser Formationen verloren gegangen sind. Die Erosionsprozesse verteilen Makro- und Mikroplastik weiter über die Strände der Insel. Meeresströmungen können diese Fragmente weit über die Küste hinaus transportieren und scheinbar unberührte Ökosysteme erreichen lassen.
Die Freisetzung von Mikroplastikpartikeln birgt Risiken für das lokale Nahrungsnetz, ähnlich wie invasive Arten die einheimischen Arten bedrohen. Außerdem kann der vergrabene Kunststoff die physikalischen Eigenschaften des Sandes verändern, was für die Embryonalentwicklung der Schildkröten kritisch sein könnte.
Was das bedeutet und was zu tun ist
Die Studie betont die dringende Notwendigkeit, bessere Abfallmanagementrichtlinien zu entwickeln und besonders verlorene Fischereiausrüstung in den Blick zu nehmen. Vorbeugende Maßnahmen sind wichtig, weil sich Kunststoff im Meer über große Distanzen verteilt und weitreichende ökologische sowie geologische Folgen haben kann.
Die Entdeckung illustriert nicht nur die aktuellen Umweltprobleme, sondern ist auch eine Warnung: Die hinterlassenen Materialien unserer Zivilisation könnten die geologischen Einträge für kommende Generationen prägen. Wir stehen vor der Aufgabe, unser Verhalten zu überdenken und zu ändern, bevor die einzigartigen natürlichen Paradiese unseres Planeten unwiederbringlich verändert werden.