Worum geht’s bei der Studie?
Das Hauptziel von Eurac Research ist, systematisch zu prüfen, wie sich ein längerfristiger Aufenthalt in mittleren Höhenlagen auf die Gesundheit auswirkt. Die Motivation: Frühere Studien richteten den Blick meist auf sehr große Höhen, das MAHE-Projekt will diese Lücke füllen und die Datenlage mit belastbaren Ergebnissen verbessern. Voruntersuchungen legen nahe, dass Leben in großen Höhen positiven Einfluss auf Blutdruck und Stoffwechsel haben kann. Die Forschenden erwarten, dass sich ähnliche oder neue Effekte auch in moderaten Höhen zeigen lassen.
Untersucht werden außerdem Hinweise auf geringere Sterblichkeitsraten bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen und bestimmten Krebsarten. Gleichzeitig prüfen sie das Risiko tödlicher Atemwegserkrankungen in solchen Höhen. Die Hoffnung ist, dass mittlere Höhen möglicherweise schützender sind als sehr hohe Lagen.
Wie läuft die Studie ab?
Insgesamt zwölf gesunde Frauen und Männer im Alter von 18 bis 40 Jahren nehmen teil. Für einen Monat wohnen sie in der malerischen Umgebung des Stilfserjoch-Nationalparks, konkret im Rifugio Nino Corsi (auch bekannt als Zufallshütte). Während ihres Aufenthalts auf 2.000 bis 2.500 Metern über dem Meeresspiegel werden zahlreiche Gesundheitsmessungen vorgenommen: Blutdruck, Schlafqualität, Ernährung und körperliche Aktivität stehen auf dem Programm. Trotz des wissenschaftlichen Setups dürfen die Teilnehmenden ihrem normalen Alltag nachgehen: Homeoffice, Studium oder Freizeitaktivitäten sind also möglich.
Zu Beginn gab es offenbar Verwirrung bei der Vergütung: Trotz einer Formulierung über „fehlende Bezahlung“ zahlt das Projekt den Teilnehmenden tatsächlich 400 Euro für ihren Zeitaufwand.
Wer kann mitmachen, und welche Hürden gibt’s?
Angesprochen sind Personen, die normalerweise auf Meereshöhe leben (damit die Daten vergleichbar bleiben). Ausgeschlossen sind Raucher, Leistungssportler und Menschen mit Vorerkrankungen, um Verzerrungen zu vermeiden. Interessanterweise sorgte ein einziger Aufruf in der italienischen Tageszeitung La Repubblica innerhalb weniger Stunden für über 160 Bewerbungen — ein klares Zeichen für großes Interesse an solcher Forschung.
Wo findet das statt und welche Umweltfaktoren spielen eine Rolle?
Der Stilfserjoch-Nationalpark in Südtirol ist Kulisse und Untersuchungsraum zugleich. In den mittleren Höhen werden die Probanden mit niedrigerem Luftdruck, reduziertem Sauerstoffangebot und erhöhter UV-Strahlung konfrontiert. Diese Umweltfaktoren treten ab etwa 1.500 Metern deutlich zutage und stehen im Mittelpunkt der Messungen.
Das MAHE-Projekt verdient Aufmerksamkeit, weil es nicht nur bestehende Wissenslücken schließt, sondern auch neue Perspektiven für die Gesundheitsforschung in mittleren Höhen eröffnet. Solche Studien könnten später in Planungen für Wohnorte oder Erholungsgebiete in mittleren Höhen einfließen und wertvolle data-driven Richtlinien für gesundheitsbewusste Lebensweisen liefern.