Frühere und aktuelle Studienergebnisse
Die neuen Daten sind alarmierend. 47,42 % der als „Corvina“ etikettierten Proben aus ecuadorianischen Märkten enthielten Haifleisch, verglichen mit 26,67 % in einer ähnlichen Studie vor zehn Jahren. Das deutet darauf hin, dass die Fehlkennzeichnung eher zugenommen hat als abgenommen. Proben wurden in Quito, Cuenca, Ibarra, Ambato, Manta und Guayaquil gesammelt; besonders hoch waren die Fehlkennzeichnungsraten in den Andenstädten Quito, Cuenca, Ibarra und Ambato.
Wie die Proben analysiert wurden
Für jede Probe wurden zwei PCR-Tests durchgeführt. Der erste Test klärte, ob es sich um Haifleisch handelt; falls ja, identifizierte ein zweiter Test die genaue Haiart. Beeindruckend ist die 97,8 % Erfolgsquote dieses zweiten Schritts. Der Vorteil dieser Methode: Es reicht ein kleines Gewebestück, und sie funktioniert unabhängig von komplizierter morphologischer Bestimmung (also ohne auf äußere Merkmale angewiesen zu sein).
Welche gefährdeten Haie gefunden wurden
In den Proben wurden mehrere bedrohte Haiarten identifiziert, darunter der als „gefährdet“ gelistete Seidenhai (Carcharhinus falciformis) und der Glatter Hammerhai (Sphyrna zygaena), der in Ecuador komplett geschützt ist. Außerdem nachgewiesen wurden der Pelagische Fuchshai (Alopias pelagicus) und der Blaue Hai (Prionace glauca). Diese Funde legen nahe, dass trotz vorhandener Schutzmaßnahmen weiterhin geschützte Arten gefangen und verkauft werden.
Gesetze und Politik dahinter
In Ecuador gibt es Regelungen, die den Verkauf von „zufällig“ gefangenen Haien erlauben. Die Forschenden warnen jedoch, dass diese Ausnahmeregelung dazu beitragen könnte, dass jährlich mehr als zwei Millionen Haie gefangen werden. Gabriela Pozo betont, dass die laufende Diskussion verstärkt werden und strengere Vorschriften gefordert werden sollten.
Empfehlungen und nächste Schritte
Die Autorinnen und Autoren der Studie fordern härtere Regelungen, vor allem in Ländern des Globalen Südens, wo Rückverfolgbarkeit eine zentrale Rolle spielt (um Lieferketten transparenter zu machen). Vorgeschlagen werden unter anderem:
- die Ausweitung der Analysen auf die Städte mit den höchsten Fehlkennzeichnungsraten
- regelmäßige Wiederholungen der Probenahmen, um Trends zu überwachen
Mindestens 40 Haiarten stehen auf der IUCN-Liste der gefährdeten Arten in Ecuador, was weiteren Handlungsbedarf zeigt. María de Lourdes Torres, Leiterin des Plant Biotechnology Laboratory an der Universidad San Francisco de Quito (USFQ), spricht sich dafür aus, dass öffentliche Institutionen solche molekularen Techniken einsetzen sollten, um Verbraucherinnen und Verbraucher sowie bedrohte Arten besser zu schützen.
Die Studie macht deutlich, wie molekulare Methoden nicht nur in der Forschung nützlich sind, sondern auch beim Durchsetzen von Verbraucherschutzstandards und beim Schutz gefährdeter Arten helfen können. Gleichzeitig liegt es an den Konsumentinnen und Konsumenten, sich über die Herkunft ihrer Lebensmittel zu informieren und bewusste Entscheidungen zu treffen, um den Schutz mariner Arten zu unterstützen.