Nach sechs Jahrzehnten zeigt Diabetes-Medikament überraschende Auswirkungen auf das Gehirn

Forscher haben nach mehr als 60 Jahren Einsatz bei der Behandlung von Typ‑2‑Diabetes entdeckt, dass Metformin überraschenderweise direkt im Gehirn wirkt. Diese Erkenntnis könnte die Behandlung von Diabetes verändern.
Was die Forscher herausgefunden haben
Die Studie wurde im Jahr 2025 durchgeführt und in der Zeitschrift Science Advances veröffentlicht. An der Arbeit sind Forscher aus den Vereinigten Staaten beteiligt, darunter der Pathophysiologe Makoto Fukuda vom Baylor College of Medicine. Sie zeigen, dass Metformin nicht nur in Leber oder Darm wirkt, wie lange angenommen, sondern auch direkt im Gehirn aktiv wird. Das eröffnet neue Möglichkeiten für Erkrankungen, die mit dem Glukosestoffwechsel zu tun haben.
Metformin ist bekannt dafür, die Glukoseproduktion in der Leber zu drosseln und die Insulinnutzung zu verbessern. In der Studie zeigte das Medikament zusätzlich, dass es das Protein Rap1 im ventromedialen Hypothalamus (VMH) inaktiviert. Das geschieht offenbar über die Aktivierung von SF1‑Neuronen (SF1 = Steroidogenic factor 1). Wie Makoto Fukuda erklärt: „Wir fanden heraus, dass SF1‑Neuronen aktiviert werden, wenn Metformin in das Gehirn eingeführt wird, was darauf hindeutet, dass sie direkt an der Wirkung des Medikaments beteiligt sind.“
Was Experimente und Studien sagen
Die Ergebnisse beruhen auf Tierversuchen mit Mäusen, die zeigten, dass Metformin in den VMH gelangt und dort Rap1 inaktiviert. Versuche an Rap1‑Knockout‑Mäusen unterstützten das: Diese Tiere reagierten nicht auf Metformin, während andere Diabetesmedikamente bei ihnen wirkten. Das deutet auf einen eigenen Wirkmechanismus von Metformin im Gehirn hin.
In einer vergleichenden Studie mit über 400 postmenopausalen Frauen zeigte sich außerdem, dass die Frauen in der Metformin‑Gruppe ein um 30 Prozent geringeres Risiko hatten, vor dem Alter von 90 Jahren zu sterben, verglichen mit der Sulfonylurea‑Gruppe.
Was Metformin sonst noch leistet
Metformin wird auch in der Gerontologie diskutiert. Es kann verschiedene Altersprozesse bremsen, indem es DNA‑Schäden reduziert und Genaktivität fördert, die mit Langlebigkeit verbunden ist. Außerdem scheint Metformin das Risiko für Long‑COVID (anhaltende Beschwerden nach COVID‑19) zu senken und den „Verschleiß“ im Gehirn zu vermindern. Wegen dieser Eigenschaften gilt Metformin als potenzielles Gerotherapeutikum, also ein Medikament, das altersbedingte Veränderungen verlangsamen kann.
Das Medikament bringt aber auch Nebenwirkungen mit sich. Hepatogastrointestinale Probleme wie Übelkeit, Durchfall und Bauchbeschwerden betreffen bis zu 75 Prozent der Behandelten. Zudem kann eine eingeschränkte Nierenfunktion das Risiko von Problemen beim Gebrauch von Metformin erhöhen.
Wie es mit der Diabetesbehandlung weitergehen könnte
Die neuen Erkenntnisse könnten helfen, Diabetesbehandlungen zu entwickeln, die gezielt den entdeckten Hirnmechanismus ansteuern. Ein besseres Verständnis der Metformin‑Wirkung könnte Fachärzten ermöglichen, das Mittel auch außerhalb der reinen Diabetesbehandlung einzusetzen und die Sicherheit zu verbessern. Makoto Fukuda sagt dazu: „Diese Entdeckung verändert, wie wir über Metformin denken.“
Bemerkenswert ist, dass das Gehirn offenbar auf niedrigere Metformin‑Konzentrationen reagiert als Leber und Darm, was zusätzliche Chancen für gezielte Therapien eröffnet.
Dieses neue Wissen könnte nicht nur zu wirksameren Behandlungsansätzen führen, sondern weltweit Hoffnung auf bessere Lebensqualität und Langlebigkeit geben. Leser sind eingeladen, die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Metformin weiter zu verfolgen und seine Rolle in der modernen Medizin im Blick zu behalten.