Wie alles begann: Atomtests und ihre Folgen
Der Runit-Dom ist ein Betonbau auf Runit Island im Enewetak-Atoll. Er wurde in den späten 1970er Jahren errichtet und sollte als Deponie für mehr als 120.000 Tonnen kontaminierter Erde und Schutt dienen, die von 43 nuklearen Detonationen auf dieser Insel stammen. Diese Tests waren Teil von insgesamt 67 atomaren Erprobungen, die zwischen 1946 und 1958 auf den Enewetak- und Bikini-Atollen durchgeführt wurden. Die USA begannen ihr Atomprogramm vor 80 Jahren, was die langanhaltende Belastung der Region verdeutlicht.
Für die Menschen auf dem nahegelegenen Enewetak (etwa 32 Kilometer entfernt), wo heute rund 300 Menschen leben, ist der Dome eine unsichtbare Bedrohung. Die Sorgen um die strukturelle Unversehrtheit des Bauwerks sind nicht neu. Eine 2018 durchgeführte Untersuchung unter der Leitung von Ivana Nikolic-Hughes stellte Risse im Dome fest und fand erhöhte Strahlenwerte in Bodenproben. Die Vereinten Nationen berichteten, dass der Dome nicht wasserdicht sei, sodass Grundwasser mit den Gezeiten ein- und austritt und potenziell kontaminierte Materialien in die Lagune transportiert werden könnten.
Was Forscher und frühere Beteiligte sagen
Ivana Nikolic-Hughes, Forscherin und Senior Lecturer an der Columbia University, macht sich Sorgen wegen des steigenden Meeresspiegels und der heftigeren Stürme, die die strukturelle Stabilität des Runit-Doms weiter gefährden könnten. Robert Celestial, ein ehemaliger US-Armee-Lkw-Fahrer, der an den ursprünglichen Aufräumarbeiten beteiligt war, berichtet von gesundheitlichen Problemen, die er mit diesen Arbeiten in Verbindung bringt. Celestial leidet an brüchigen Knochen und anderen chronischen Erkrankungen und sagt, es seien unzureichende Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden.
Arjun Makhijani, Präsident des Institute for Energy and Environmental Research, weist darauf hin, dass die Lebensdauer von Beton nicht mit der Gefährlichkeit von Plutonium-239 zusammenpasst, das über 24.000 Jahre gefährlich bleibt. “Da sind bereits Risse darin in weniger als 50 Jahren”, so Makhijani. Die US-Behörden hingegen vertreten die Auffassung, dass die Risse altersbedingt seien und dass eine weitere Kontamination im Vergleich zur ohnehin belasteten Lagune gering ausfalle.
Politik, Verträge und Verantwortung
Das historische Compact of Free Association gewährt den Marshallinseln seit 1986 Unabhängigkeit, knüpft diese aber an umfangreiche US-Finanzhilfe im Gegenzug für militärischen Zugang. Im Vertrag wurden alle Ansprüche im Zusammenhang mit dem US-Atomtestprogramm als geregelt betrachtet; die Verantwortung für den Unterhalt des Domes verbleibt damit größtenteils bei der Regierung der Marshallinseln, die nach eigenen Angaben weder die technischen noch die finanziellen Mittel hat, das Problem zu lösen.
Der Klimawandel verschärft die Gefahr, die vom Runit-Dom ausgeht, und bedroht Gemeinden, die von den Lagunen abhängig sind. Obwohl das Bikini-Atoll, Standort weiterer Atomtests, als unbewohnbar gilt, ist unklar, wie sich die Lage für die Bewohner der Marshallinseln entwickeln wird. Die marshallesische Regierung und die internationale Gemeinschaft stehen vor der Aufgabe, tragfähige Lösungsansätze zum Schutz dieser Region zu finden.
Die Probleme rund um den Runit-Dom machen deutlich, welche langfristigen Kosten Atomtests verursachen: ökologisch wie menschlich. Nur durch gemeinsame Anstrengungen könnte die Sicherheit der Marshallinseln und ihrer Bevölkerung gewährleistet werden.