Wer war dabei, und was folgte daraus?
Robert Celestial, ein ehemaliger Lkw-Fahrer der United States Army, gehört zu den Veteranen, die auf Enewetak stationiert waren. Sein Dienst dort hinterließ nicht nur Erinnerungen, sondern auch schwere gesundheitliche Probleme. Über sechs Monate hinweg half er beim Abladen von kontaminiertem Boden auf dem Runit-Grater (dem Runit-Dome). Er berichtet, er habe unter prekären Bedingungen gearbeitet, stehend in radioaktivem Wasser, nur in Shorts und Gummistiefeln. Seitdem leidet er an anhaltenden Hautveränderungen, Knochenschwäche und Organschäden.
Offiziell wurde Celestial 2023 als “Atomic Veteran” anerkannt, was ihm und anderen Überlebenden Zugang zu Invaliditätsansprüchen verschafft. Viele seiner Kameraden haben ihre eigenen Kämpfe gegen gesundheitliche Komplikationen bereits verloren.
Wie stabil ist die Struktur, und was sagen Forscher?
Ivana Nikolic-Hughes, Chemikerin an der Columbia University und Präsidentin der Nuclear Age Peace Foundation, maß 2018 Strahlungswerte außerhalb der Kuppel und fand besorgniserregende Ergebnisse. Sie entdeckte Risse in der Betonkuppel und erhöhte Strahlungswerte, die auf Undichtigkeiten hindeuten. Auch die United Nations (Vereinte Nationen) bestätigten, dass der Dome nicht wasserdicht ist. Ein steigender Meeresspiegel und heftigere Stürme könnten die bereits instabile Struktur noch weiter gefährden.
Auch Arjun Makhijani, Nuklearingenieur und Präsident des Institute for Energy and Environmental Research, übte Kritik. Er machte deutlich, dass eine Betonstruktur Plutonium-239, das länger als 24.000 Jahre gefährlich bleibt, niemals sicher einschließen kann. Überraschend, aber nicht unerwartet, traten bereits in weniger als 50 Jahren nach dem Bau Risse auf.
Politik, Geld und Verantwortung
Der Compact of Free Association von 1986 markierte die Unabhängigkeit der Marshallinseln, zu einem hohen Preis. Die USA erhielten militärischen Zugang, während die finanziellen und technischen Kapazitäten der Inselbewohner oft kaum berücksichtigt wurden. Die Verantwortung für den Runit-Dome wurde daraufhin den lokalen Behörden übertragen, obwohl diese selbst betonen, dass ihre Mittel begrenzt sind.
Die Folgen der vergangenen Atomtests lasten weiter auf der kleinen Bevölkerung der Marshallinseln. Die Lagune wird noch genutzt, doch die plausiblen Risiken einer erneuten Kontamination werfen Fragen nach Sicherheit und Verantwortlichkeit auf. Jack Niedenthal, ehemaliger marshallischer Gesundheitsminister, brachte erneut die Sorgen der Bewohner wegen des steigenden Meeresspiegels und der unzureichenden Schutzmaßnahmen vor.
Das Thema Runit-Dome bleibt ein deutliches Beispiel für die schwer handhabbaren Hinterlassenschaften der Nuklearära. Die Geschichte dieses krisengebeutelten Ortes legt nahe, dass wir nicht nur den wirtschaftlichen, sondern auch den humanitären Preis vergangener militärischer Ambitionen überdenken sollten. Wenn wir die immer drängenderen Folgen des Klimawandels betrachten, sollten uns die Risse in der dünnen Betonkuppel daran erinnern, dass Gefahren oft unter der Oberfläche lauern, selbst dort, wo man sich längst auf höchste Sicherheitsvorkehrungen verlassen wollte.