Warum Gehen nicht immer ausreicht
Gehen tut Herz und Stimmung gut. Trotzdem deuten Studien darauf hin, dass Gehen alleine häufig nicht reicht, um den altersbedingten körperlichen Abbau deutlich zu bremsen. Gehen ist vorwiegend eine aerobe Aktivität (also hauptsächlich Ausdauer), die nicht intensiv genug ist, um Veränderungen an Knochen, Gelenken und Muskeln aufzuhalten. Professor Alfonso Jiménez, Experte für Bewegungs- und Gesundheitswissenschaften an der Universidad Rey Juan Carlos, erklärt, dass eine Abnahme der Knochendichte, der Verlust an Gelenkelastizität und Muskelschwund das Sturzrisiko im Alter erhöhen.
Solche körperlichen Veränderungen führen oft zu einer “globalen Gebrechlichkeit”, die die Alltags‑Unabhängigkeit gefährdet. Jiménez betont, dass ein einfacher Spaziergang diese Entwicklung nicht umkehrt. Vielmehr müsse man durch gezieltes Krafttraining die Muskeln kräftigen, denn nur spezifische mechanische Belastung regt die Zellen zur Regeneration an.
Trainingstipps für Menschen über 70
Für Menschen jenseits der 70 ist es wichtig, Krafttraining mit kontrollierten Instabilitätsübungen zu kombinieren, um Kraft und Gleichgewicht zu fördern. Zwischen den Einheiten sollten immer mindestens 48 Stunden Erholung liegen, damit sich der Körper anpassen kann. Das verbessert nicht nur die mechanische Leistungsfähigkeit von Knochen und Muskeln, sondern aktiviert auch das Nervensystem, das Jiménez als “Regisseur” jeder Bewegung bezeichnet.
Jiménez empfiehlt, die Muskulatur in dynamischen Situationen zu fordern, die komplexe Koordination verlangen – zum Beispiel Auf‑ und Absteigen von einem Step kombiniert mit Werfen oder Fangen eines Balls. Solche Übungen stärken nicht nur die Muskeln, sondern verbessern auch die neuromotorische Koordination stark.
Was Krafttraining bringt
Studien zeigen, dass Menschen jeden Alters, inklusive Siebzigjähriger, Achtzigjähriger und sogar Neunzigjähriger, durch Widerstandstraining deutliche strukturelle Verbesserungen erreichen können. Der Körper besitzt selbst im hohen Alter noch die Fähigkeit, positiv auf passende mechanische Reize zu reagieren. Jiménez hebt hervor, dass auch Menschen ohne sportliche Vorgeschichte von diesen Methoden profitieren können.
Krafttraining hat nicht nur körperliche Vorteile, sondern auch psychische und emotionale Effekte. Es steigert die funktionelle Leistungsfähigkeit, was wichtig ist, um Alltagsaufgaben eigenständig zu meistern. Das stärkt das Selbstwertgefühl und fördert die soziale Teilhabe, weil Menschen dadurch aktiver am Gemeinschaftsleben bleiben können.
Wie man sicher ins Training einsteigt
Beim Start in ein Trainingsprogramm sollte man sich an qualifizierte Fachleute wenden, um einen individuell passenden und sicheren Plan zu erstellen. Zunächst stehen Körpergewichtsübungen im Vordergrund; dabei haben Koordination und saubere Technik Vorrang vor schwerem Heben. In dieser Phase ist Sicherheit zentral, um Verletzungen zu vermeiden und anfängliche Ängste abzubauen.
Der richtige Trainingsansatz kann nicht nur Stürze und Abhängigkeit verhindern, sondern hilft auch, die Verbindung zur Außenwelt zu halten und die Lebensqualität zu verbessern. Körperliche Bewegung bleibt ein wichtiges Mittel, um selbstständig zu bleiben und ein erfülltes Leben zu führen.